Dieser Faktencheck vergleicht die Buchausgabe von 2000 mit dem Datenstand 17. Juli 2026.
Das Buch behandelt Überwachung, künstliche Intelligenz, Sprach-, Schrift- und Gesichtserkennung, Miniaturisierung, evolutionäre Schaltungen, Bio- und Nanotechnologie, Telekommunikation, Bandbreite, ICANN, IPv6, E-Commerce, Cyborgs, Wearables, Augmented Reality, körpernahe Netze, Beschleunigung und Aufmerksamkeitsökonomie. Längere Passagen aus dem Buch oder anderen historischen Texten geben wir hier nicht wieder.
- Bestätigt: Die Funktion oder Entwicklung ist 2026 im Betrieb, in einem Standard oder in einer amtlichen Statistik nachweisbar.
- Teilweise bestätigt: Die Technik existiert, aber in einem engeren Einsatzgebiet, in anderer Form oder ohne die erwartete Verbreitung.
- Nicht bestätigt: Der behauptete Ersatz einer bestehenden Technik ist bis zum Stichtag nicht eingetreten.
- Nicht quantitativ prüfbar: Das Buch nennt keine eindeutige Messgröße oder belastbare Vergleichsreihe.
Inhaltsverzeichnis
Ergebnis auf einen Blick
Alle 20 Themen mit Urteil in einer Tabelle.
KI und Erkennung
Künstliche Intelligenz, Sprache und Handschrift, Gesichtserkennung und Überwachung (Kapitel 1–3).
Chips und neue Rechenansätze
Miniaturisierung, evolutionäre Schaltungen, Bio- und Nanotechnologie (Kapitel 4–6).
Netze und E-Commerce
Bandbreite, ICANN, IPv6 und Online-Handel (Kapitel 7–10).
Mensch und Technik
Cyborgs, Wearables, Augmented Reality, Aufmerksamkeitsökonomie und Beschleunigung (Kapitel 11–14).
Gesamtbilanz
Wie die 20 Urteile zustande kommen und wie sie zu lesen sind.
Ergebnis
| Thema | Aussage im Buch (1999) | Messbarer Stand 2026 | Urteil |
|---|---|---|---|
| Überwachung | Automatisierte Beobachtung von Personen und Besitz | Kamera- und Gesichtssysteme plus kommerzielles Plattformtracking | Bestätigt |
| Künstliche Intelligenz | Neue Wachstumsphase nach Expertensystemen | 88 % Organisationsnutzung; 53 % GenAI-Bevölkerungsadoption | Bestätigt |
| Spracherkennung | Sprache als Computerschnittstelle | Mehrsprachige ASR-Modelle mit 680.000 Trainingsstunden | Bestätigt |
| Schrift- und Texterkennung | Handschrift wird maschinenlesbar | OCR-Produktionsdienste verarbeiten Handschrift und Dokumentstruktur | Bestätigt |
| Gesichtserkennung | Erkennung für Sicherheit und Überwachung | NIST testet 1.425 Algorithmen von 437 Entwicklern | Bestätigt |
| Miniaturisierung | Kleinere Strukturen und höhere Leistung | 2-nm-Prozessname seit Q4 2025 in Serienfertigung | Bestätigt |
| Evolutionäre Schaltungen | Evolutionäre Verfahren erzeugen Schaltungen | KI erzeugt Chip-Layouts; keine allgemeine Selbstevolution im Betrieb | Teilweise bestätigt |
| Biocomputer | Biologische Systeme ergänzen oder ersetzen Computer | DNA-Schaltungen in Forschung und Biomedizin; kein PC-Ersatz | Nicht bestätigt |
| Nanotechnologie | Nano-Strukturen verändern Elektronik, Medizin und Materialien | Anwendungen nachgewiesen; kein einzelnes Universalprodukt | Teilweise bestätigt |
| Daten statt Sprache | 90 % mobile Datenlast bis 2005 | Datenvolumen überstieg Sprache weltweit erstmals Ende 2009 | Teilweise bestätigt; Termin falsch |
| Bandbreite | Optische und digitale Übertragungsraten steigen stark | 800-Gbit/s-Ethernet ist seit 2024 standardisiert | Bestätigt |
| ICANN und Internetverwaltung | Globale Netzkoordination wird politische Aufgabe | ICANN besteht; IANA-Transition 2016 abgeschlossen | Bestätigt |
| IPv6 | 128 Bit werden für stark wachsende Gerätenetze benötigt | 47,287 % der Google-Zugriffe am 15. Juli 2026 über IPv6 | Teilweise bestätigt |
| E-Commerce | Katalog, Bestellung, Zahlung und Service werden digital | 16,9 % des US-Einzelhandels in Q1 2026 online | Bestätigt |
| Cyborgs | Technik verbindet sich direkt mit dem Körper | Medizinische Implantate und BCIs; keine allgemeine technische Aufrüstung | Teilweise bestätigt |
| Wearables | Computer werden am Körper getragen | Uhren, Ringe und Sensoren etabliert; intelligente Kleidung bleibt Spezialfall | Teilweise bestätigt |
| Augmented Reality | Digitale Information wird in die reale Umgebung eingeblendet | Verfügbare Headsets ab 3.499 US-Dollar; kein allgemeines Alltagsgerät | Teilweise bestätigt |
| Körpernahe Netze | Datenaustausch über oder nahe am Körper | Medizinische und tragbare Systeme; keine dominante Alltags-Netztechnik | Teilweise bestätigt |
| Beschleunigung | Technik beschleunigt Arbeit und Alltag | Keine Zielgröße oder Frist im Buch | Nicht quantitativ prüfbar |
| Aufmerksamkeitsökonomie | Aufmerksamkeit wird knappe ökonomische Ressource | Plattformdesign und Empfehlungssysteme sind Gegenstand der DSA-Aufsicht | Bestätigt |
1. Künstliche Intelligenz
Stand 1997/1998
IBM Deep Blue gewann 1997 den Wettkampf gegen den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow. Das System verwendete 32 Prozessoren, bewertete bis zu 200 Millionen Schachstellungen pro Sekunde und erreichte 11,38 Milliarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde. Es war auf Schach spezialisiert.
Für das Buch war dieser Sieg der Beginn einer neuen KI-Phase. Konkrete heutige Modellarchitekturen, generative KI oder eine bestimmte Verbreitungsquote sagte es nicht voraus.
Stand Juli 2026
Der Stanford AI Index 2026 nennt für 2025 mehrere Werte: 88 Prozent der befragten Organisationen setzten KI ein, generative KI erreichte binnen drei Jahren 53 Prozent der Bevölkerung, und mehr als 90 Prozent der als bedeutend eingestuften Frontier-Modelle kamen aus der Industrie. Auf SWE-bench Verified stieg die gemessene Leistung innerhalb eines Jahres von 60 auf nahezu 100 Prozent. Zugleich las das beste geprüfte Modell analoge Uhrzeiten nur in 50,1 Prozent der Fälle richtig ab; Agenten schafften auf OSWorld rund 66 Prozent der Aufgaben und scheiterten damit noch etwa bei jeder dritten.
Vergleich
Die Prognose einer neuen KI-Wachstumsphase ist bestätigt. Die Aussagen von damals waren allgemein gehalten; eine messbare Vorhersage für generative Modelle, multimodale Systeme oder eine Organisationsnutzung von 88 Prozent enthielten sie nicht. Diese späteren Entwicklungen sind deshalb keine einzeln überprüfbaren Prognosen, sondern ein kräftigerer Ausbau derselben Technologiekategorie.
2. Sprache, Handschrift und Text
Sprache 1999
Als verfügbare Systeme nennt das Buch Dragon NaturallySpeaking und IBM ViaVoice. Die dort genannte Erkennungsrate von rund 95 Prozent war eine Herstellerangabe nach dem Training, keine unabhängige Messung, die sich über Produkte und Sprachen hinweg vergleichen ließe. Als offene Probleme führt es Aussprache, Sprechgeschwindigkeit, zusammengezogene Laute und Umgebungsgeräusche an.
Sprache 2026
Whisper wurde mit 680.000 Stunden mehrsprachiger und multitask-orientierter Audiodaten trainiert. Das Modell transkribiert mehrere Sprachen und übersetzt aus mehreren Sprachen ins Englische. Die zugehörige Veröffentlichung beschreibt eine robuste Zero-Shot-Leistung, behauptet aber keine durchgängige Fehlerfreiheit.
Handschrift und Dokumente 1999
Als Beispiel jener Zeit dient der Palm Pilot mit seiner festgelegten Eingabeschrift. Zugleich hält das Buch fest, dass sich noch kein allgemeiner Handschriftstandard durchgesetzt hatte.
Handschrift und Dokumente 2026
Google Cloud Vision bietet Handschrifterkennung als produktiven OCR-Dienst. DOCUMENT_TEXT_DETECTION liefert eine Hierarchie aus Seite, Block, Absatz, Wort und Zeichen; die asynchrone Stapelverarbeitung verarbeitet bis zu 2.000 Bilddateien. Für Speicherung und Verarbeitung steht unter anderem ein EU-Endpunkt zur Verfügung.
Vergleich
Sprach- und Texterkennung sind als Computerschnittstellen bestätigt. Nur die Form hat sich geändert: Statt einer eigens erlernten Eingabeschrift auf einem einzelnen Handheld verarbeiten heutige Dienste freie Handschrift, gescannte Dokumente und deren Struktur. Die alte Herstellerquote von 95 Prozent lässt sich nicht direkt mit heutigen Modellwerten vergleichen, weil Datensätze, Sprachen, Fehlermaße und Testbedingungen dazu fehlen.
3. Gesichtserkennung und Überwachung
Gesichtserkennung 1993 bis 1998
Das US-Programm FERET lief von 1993 bis 1998. Die Datenbank enthielt 14.126 Bilder von 1.199 Personen, aufgenommen in 15 Sitzungen zwischen August 1993 und Juli 1996. Das Programm erhielt mehr als 6,5 Millionen US-Dollar; der Entwicklungsdatensatz ging an mehr als 100 Gruppen. Vor FERET wurden Erkennungsraten von über 95 Prozent häufig auf kontrollierten Datensätzen mit weniger als 50 Personen berichtet. FERET führte größere gemeinsame Testdaten und unabhängige Evaluationen ein.
Das Buch verband Gesichtserkennung bereits mit Flughäfen, Sicherheitskontrollen und automatisierter Beobachtung.
Gesichtserkennung 2026
Die laufende NIST-Evaluierung FRTE 1:1 verzeichnete am 15. Juni 2026 insgesamt 1.425 eingereichte Algorithmen von 437 Entwicklern. Allein 2026 waren bis zu diesem Stichtag 62 Algorithmen von 61 Entwicklern hinzugekommen. NIST misst dabei die False-Non-Match-Rate bei einer festen False-Match-Rate von 10⁻⁶. Die Auswertung zeigt weiterhin Unterschiede je nach Datensatz und Bildqualität. Als Ursachen für demografische Unterschiede nennt NIST unzureichende Beleuchtung, Über- oder Unterbelichtung, Kamerawinkel und eine Unterrepräsentation in den Trainingsdaten.
Überwachung 2024 bis 2026
Der FTC-Bericht von 2024 beruht auf Auskünften von neun großen Social-Media- und Streaming-Unternehmen. Die Behörde dokumentiert Datenerhebung über Nutzende und Nichtnutzende, Daten aus Drittquellen und Datenbrokern, teilweise unbefristete Aufbewahrung sowie die Nutzung personenbezogener Daten in Algorithmen, Analytik und KI. Die Untersuchung betrifft neben sichtbarer Kameraüberwachung auch Klicks, Werbung, Profile und Empfehlungssysteme.
Der Digital Services Act setzt für sehr große Plattformen die Schwelle bei mehr als 45 Millionen monatlich Nutzenden in der EU. Diese Plattformen müssen unter anderem eine nicht personalisierte Feed-Option anbieten. Der DSA verbietet irreführende Gestaltungsmuster und profilbasierte Werbung an Kinder.
Vergleich
Gesichtserkennung und automatisierte Überwachung sind bestätigt. Das Buch konzentrierte sich auf Kameras, Sicherheitsbehörden und Identifikation. 2026 kommen nachweislich kommerzielle Plattformdaten, Werbeprofile und automatisierte Empfehlungssysteme dazu.
4. Miniaturisierung
Halbleiter 1997/1998
Intel stellte den Pentium II 1997 mit 7,5 Millionen Transistoren, einem 0,35-Mikrometer-Prozess und Taktraten von 233, 266 und 300 MHz vor. 0,35 Mikrometer entsprechen 350 Nanometern. Das Buch nennt ergänzend ein IBM-Laborergebnis von 1,1 GHz und Strukturen von 0,18 Mikrometern.
Halbleiter 2025/2026
TSMC begann nach eigenen Angaben im vierten Quartal 2025 mit der Serienfertigung seines N2-Prozesses. N2 verwendet die erste Nanosheet-Transistorgeneration des Unternehmens.
Die Angaben 350 nm und 2 nm bezeichnen keine geometrisch identische Messung. Bei den älteren Prozessen stand die Zahl noch weitgehend für eine reale Strukturgröße; moderne Knotennamen fassen dagegen Dichte, Leistung und Fertigungsmerkmale zusammen und entsprechen keiner einzelnen Gatelänge. Ein Faktor von 175 ließe sich zwar ausrechnen, wäre physikalisch aber irreführend.
Vergleich
Die Prognose kleinerer und leistungsfähigerer Schaltungen ist bestätigt. Nicht bestätigt ist die Vorstellung, Fortschritt lasse sich allein an der Taktfrequenz ablesen: Moderne Systeme gewinnen Leistung zusätzlich über Parallelität, spezialisierte Beschleuniger, Speicherarchitektur und Packaging.
5. Evolutionäre Schaltungen
Stand 1996/1998
Adrian Thompson veröffentlichte 1996 ein Experiment, in dem ein genetischer Algorithmus reale rekonfigurierbare Hardware konfigurierte. Das Buch beschreibt solche evolutionären Schaltungen als mögliche Alternative zu vollständig von Menschen entworfenen Schaltungen.
Stand 2026
AlphaChip nutzt Reinforcement Learning, um Chipblöcke zu platzieren. Nach Angaben von Google DeepMind erzeugt das System Layouts in Stunden statt in Wochen oder Monaten und kam bei drei Generationen der Tensor Processing Unit zum Einsatz. Optimiert wird im Entwurf, also vor der Fertigung.
Vergleich
Bestätigt ist, dass lernende oder suchende Verfahren beim Hardwareentwurf zum Einsatz kommen. Nicht bestätigt ist eine Hardware, die ihre physische Schaltung im laufenden Betrieb selbst evolutionär umbaut. Das Urteil lautet deshalb teilweise bestätigt.
6. Bio- und Nanotechnologie
DNA-Computing 1994/1998
Leonard Adleman löste 1994 ein kombinatorisches Pfadproblem mit DNA-Molekülen. Das Experiment zeigte, dass sich molekulare Reaktionen zum Rechnen nutzen lassen. Daraus leitete das Buch deutlich weiterreichende Möglichkeiten ab, bis hin zu persönlichen Biochips und einer möglichen Ablösung klassischer Computer.
Biocomputing 2025/2026
Ein Review in Nature Reviews Bioengineering beschreibt 2025 DNA-basierte Logikgatter und Schaltungen für Biosensorik, Diagnostik und bedingte therapeutische Reaktionen. Als offene Punkte nennt die Fachliteratur unter anderem Robustheit, Skalierbarkeit, Standardisierung und klinische Übertragung. Ein allgemeiner DNA-Computer als Ersatz für PC, Smartphone oder Server ist nicht dokumentiert.
Die FDA genehmigte Casgevy am 8. Dezember 2023 als erste zugelassene Therapie mit CRISPR/Cas9. Von 31 auswertbaren Personen mit Sichelzellkrankheit erreichten 29, entsprechend 93,5 Prozent, mindestens zwölf aufeinanderfolgende Monate ohne schwere vaso-okklusive Krise. Die Behandlung verändert Blutstammzellen und ist eine Gentherapie, kein universeller Biocomputer.
Nanotechnologie 2026
Die National Nanotechnology Initiative dokumentiert Anwendungen in Transistoren und Speichern, Displays, Sensoren, Katalysatoren, Wasseraufbereitung, Wirkstofftransport, Diagnostik, Beschichtungen, Batterien und Leichtbaumaterialien. Diese Anwendungen bilden kein einzelnes Produktsegment und keine einheitliche Rechenarchitektur.
Vergleich
Die Prognose eines allgemeinen biologischen Computerersatzes ist nicht bestätigt. DNA-basierte Berechnung und Genomeditierung sind als spezialisierte Labor- und Medizinverfahren bestätigt. Die Nanotechnologie-Prognose ist teilweise bestätigt, weil Anwendungen in mehreren Branchen nachweisbar sind, das Buch aber keinen messbaren Zielwert oder Zeitpunkt definierte.
7. Bandbreite und Telekommunikation
Stand 1998
Die ITU genehmigte V.90 am 1. September 1998. Der Modemstandard spezifizierte bis zu 56.000 bit/s vom digitalen Netz zum analogen Teilnehmeranschluss und bis zu 33.600 bit/s in Gegenrichtung.
Das Buch nennt außerdem ein optisches Laborexperiment mit 3,8-Femtosekunden-Pulsen und einer daraus abgeleiteten theoretischen Rate von 263 Gbit/s. Es prognostiziert, dass Datendienste das Kerngeschäft der Telekommunikation werden und zitiert eine damalige Vorhersage von 90 Prozent Datenanteil an der Mobilfunklast im Jahr 2005.
Stand 2024 bis 2026
IEEE 802.3df-2024 standardisiert Ethernet mit 400 und 800 Gbit/s. 800 Gbit/s sind rechnerisch rund das 14,3-Millionenfache von 56 kbit/s. Dieser Faktor stellt aber einen Modem-Zugangsstandard neben einen modernen Ethernet-Standard für Hochleistungsnetze und ist deshalb kein Vergleich von Endkundengeschwindigkeit. Gegenüber der im Buch genannten theoretischen optischen Rate von 263 Gbit/s liegt der standardisierte 800-Gbit/s-Wert etwa beim Faktor 3,04.
Ericsson datiert den weltweiten Schnittpunkt von mobilem Daten- und Sprachvolumen auf Ende 2009: Erst zu diesem Zeitpunkt überstieg das monatliche Datenvolumen erstmals den Sprachverkehr. Die im Buch zitierte Prognose von 90 Prozent Datenlast bis 2005 war damit in Zeitpunkt und Größenordnung falsch; bestätigt wurde nur die spätere Richtung der Entwicklung.
Die ITU meldet für 2025 fast drei Viertel der Weltbevölkerung online und 2,2 Milliarden Menschen offline. 5G deckte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ab und stellte mehr als ein Drittel der mobilen Breitbandanschlüsse. Die ITU nennt weiterhin Lücken bei Qualität und Leistbarkeit.
Vergleich
Der starke Bandbreitenanstieg ist bestätigt. Die konkrete Aussage von 90 Prozent Datenlast im Jahr 2005 ist nicht bestätigt. Dass mobiles Datenvolumen den Sprachverkehr Ende 2009 überstieg, bestätigt die Entwicklungsrichtung mit mindestens vier Jahren Verspätung gegenüber dem genannten Zieljahr. Das Urteil für „Daten statt Sprache“ lautet deshalb teilweise bestätigt.
8. ICANN und Internetverwaltung
Stand 1999
Die Gründungsdokumente von ICANN wurden am 30. September 1998 eingereicht. ICANN bezifferte die damalige Zahl der Internetnutzenden rückblickend auf ungefähr 100 Millionen. Das Buch berücksichtigt außerdem das erste Geschäftsjahr, Network Solutions und das Shared-Registry-System.
Stand 2016/2026
Im Oktober 2016 endete der Vertrag zwischen US-Regierung und ICANN über die IANA-Funktionen. Die Aufsicht ging an das globale Multistakeholder-Modell über. ICANN koordiniert weiterhin das Domain Name System und Internetnummern; staatliche Regulierung von Datenschutz, Plattformen, Wettbewerb und Inhalten erfolgt parallel auf nationaler und regionaler Ebene.
Die ITU-Zahl von fast drei Vierteln der Weltbevölkerung online entspricht grob sechs Milliarden Menschen. Gegenüber den rund 100 Millionen von 1998 ist das ungefähr Faktor 60; Erhebungsmethoden und Definitionen haben sich in diesem Zeitraum verändert.
Vergleich
Die Prognose, dass Internetverwaltung eine dauerhafte globale Koordinations- und Politikaufgabe wird, ist bestätigt. Eine alleinige Zuständigkeit von ICANN sagte das Buch nicht voraus; 2026 bestehen technische Multistakeholder-Koordination und territoriale Rechtsdurchsetzung nebeneinander.
9. IPv6
Stand 1998
RFC 2460 wurde im Dezember 1998 veröffentlicht. IPv6 erweiterte die Adresslänge von 32 auf 128 Bit und definierte unter anderem einen vereinfachten Header, Erweiterungsheader und Flow Labels. RFC 2460 wurde 2017 durch RFC 8200 abgelöst. Das Buch verband den größeren Adressraum mit einer wachsenden Zahl vernetzter Geräte und körpernaher Computer.
Stand Juli 2026
Google misst den Anteil der eigenen Nutzenden, die Google über IPv6 erreichen. Für den 15. Juli 2026 weist der veröffentlichte Datensatz 47,287073 Prozent aus, am 11. Juli lag der Wert bei 50,246537 Prozent. Die Schwankung hängt unter anderem am Unterschied zwischen Werktagen und Wochenenden. Gemessen wird dabei nicht der gesamte weltweite Verkehr, sondern allein die Google-Nutzung.
Vergleich
Der Bedarf an einem größeren Adressraum und die produktive Nutzung von IPv6 sind bestätigt. Eine vollständige Ablösung von IPv4 ist nicht eingetreten. Das Urteil lautet teilweise bestätigt, weil die technische Begründung stimmt, die Koexistenz aber mehr als 27 Jahre nach Veröffentlichung der Spezifikation fortbesteht.
10. E-Commerce
Messbeginn 1999
Das U.S. Census Bureau begann im Oktober 1999 mit der monatlichen Erhebung des Online-Einzelhandels. Die erste offizielle Quartalsschätzung erschien am 2. März 2000: Im vierten Quartal 1999 entfielen 5,3 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 0,64 Prozent des US-Einzelhandels auf E-Commerce. Eine methodisch identische offizielle Zahl für das vierte Quartal 1998 liegt in dieser Reihe nicht vor.
Das Buch beschreibt E-Commerce als durchgängigen Prozess aus Information, Katalog, Bestellung, Zahlung, Lieferung und Kundenservice.
Stand 2025/2026
Für das erste Quartal 2026 meldet das U.S. Census Bureau saisonbereinigte, nicht preisbereinigte Online-Einzelhandelsumsätze von 326,7 Milliarden US-Dollar. Das waren 16,9 Prozent von insgesamt 1.929,0 Milliarden US-Dollar Einzelhandelsumsatz. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 stieg E-Commerce um 9,8 Prozent, der gesamte Einzelhandel um 3,9 Prozent.
Der Umsatzvergleich 5,3 zu 326,7 Milliarden US-Dollar ist wegen Inflation, Saisonbereinigung, Quartalsunterschieden und methodischen Änderungen kein realer Wachstumsfaktor. Der Anteil am Einzelhandel stieg von 0,64 auf 16,9 Prozent; das entspricht 16,3 Prozentpunkten beziehungsweise ungefähr dem 26-Fachen des Ausgangsanteils.
Für die EU meldet Eurostat 2025: 95 Prozent der 16- bis 74-Jährigen hatten das Internet in den vorangegangenen zwölf Monaten genutzt; 78 Prozent dieser Internetnutzenden hatten Waren oder Dienstleistungen online bestellt. 63 Prozent der Onlinekaufenden meldeten kein Problem beim Einkauf.
Vergleich
Die Prognose eines durchgängigen digitalen Handelsprozesses ist bestätigt. Die verfügbaren Statistiken belegen sowohl einen höheren Umsatzanteil als auch eine breite Nutzung in der EU.
11. Cyborgs, Wearables und körpernahe Netze
Körpernahe Kommunikation 1996/1998
Thomas Zimmerman beschrieb 1996 bei IBM ein Personal Area Network mit kapazitiver Nahfeldkommunikation über den menschlichen Körper. Ein Prototyp übertrug elektronische Visitenkarten bei einem Handschlag. Das Buch verband diese Forschung mit Wearables, intelligenter Kleidung, Schmuck, militärischen Systemen und einer engeren Verbindung von Körper und Computer.
Wearables 2026
Die FDA führt frei verkäufliche EKG-Software für handgehaltene oder am Handgelenk, Arm beziehungsweise Brust getragene Elektronik als Medizinprodukt der Klasse II. Die Software darf EKG-Daten erzeugen, analysieren und anzeigen sowie Hinweise auf Rhythmusstörungen geben; sie ist ausdrücklich nicht als eigenständige Diagnose bestimmt.
Diese Geräteklasse zeigt, dass tragbare Sensorik und regulierte Software inzwischen fest zusammengehören. Sie zeigt nicht, dass intelligente Kleidung oder körperinterne Datennetze zum allgemeinen Standard geworden sind.
Gehirn-Computer-Schnittstelle 2024
In einer NIH-finanzierten Studie wurden vier Felder mit jeweils 64 Mikroelektroden, insgesamt 256 Elektroden, in den linken präzentralen Gyrus eines Menschen mit ALS implantiert. Nach 30 Minuten Kalibrierung erkannte das System bei einem 50-Wort-Vokabular mehr als 99 Prozent der Wörter. Mit 125.000 Wörtern lag die Erkennung nach weiterer Kalibrierung über 90 Prozent. Nach 16 Nutzungsstunden erreichte das System ungefähr 97,5 Prozent und hielt dieses Niveau mehr als acht Monate; die Sprechrate lag bei etwa 32 Wörtern pro Minute.
Vergleich
Bestätigt sind tragbare Sensoren, medizinische Implantate und direkte neuronale Schnittstellen. Nicht bestätigt ist der allgemeine „Cyborg“ als verbreitete technische Aufrüstung gesunder Menschen. Intelligente Kleidung und Datenübertragung über den Körper bleiben gegenüber Uhren, Ringen, Kopfhörern und medizinischen Geräten Spezialformen. Cyborgs, Wearables und körpernahe Netze werden deshalb jeweils als teilweise bestätigt bewertet.
12. Augmented Reality
Stand 1997/1998
Ronald Azumas Überblick von 1997 definierte Augmented Reality durch die Verbindung realer und virtueller Inhalte, Interaktion in Echtzeit und dreidimensionale Registrierung. Genannt wurden Anwendungen in Medizin, Fertigung, Visualisierung, Unterhaltung und Militär. Zu den technischen Problemen zählten Tracking- und Registrierungsfehler. Das Buch übernahm AR als Thema für kontextbezogene Information und körpernahe Computer.
Stand 2024/2026
Apple brachte Vision Pro am 2. Februar 2024 in den USA auf den Markt. Das Modell mit 256 GB startete bei 3.499 US-Dollar; optische Einsätze kosteten zusätzlich 99 beziehungsweise 149 US-Dollar. Die Bedienung kombiniert Augen, Hände und Stimme.
Der Marktstart zeigt, dass ein räumlicher Computer technisch und kommerziell verfügbar ist. Über eine breite Alltagsverbreitung sagen Preis und Verfügbarkeit nichts aus. Eine belastbare, herstellerübergreifende Nutzungsquote für AR-Headsets haben wir für diesen Artikel nicht gefunden und behaupten sie deshalb auch nicht.
Vergleich
Die technische Form der AR-Prognose ist bestätigt. Die erwartete breite Alltagsrolle körpernaher AR-Systeme ist mit den verwendeten Daten nicht belegt. Das Urteil lautet teilweise bestätigt.
13. Aufmerksamkeitsökonomie
Stand 1997/1998
Michael Goldhaber veröffentlichte „The attention economy and the Net“ am 7. April 1997 in First Monday. Der Artikel behandelte Aufmerksamkeit als zentrale knappe Ressource des Netzes. Das Buch nahm den Begriff in den Technologieausblick auf.
Stand 2026
Die Europäische Kommission stellte am 6. Februar 2026 vorläufig fest, dass das suchterzeugende Design von TikTok gegen den Digital Services Act verstoßen könnte. Die Untersuchung nennt vier konkrete Gestaltungsmerkmale: Infinite Scroll, Autoplay, Push-Benachrichtigungen und ein hochgradig personalisiertes Empfehlungssystem. Die Feststellung ist vorläufig und nimmt das Endergebnis des Verfahrens nicht vorweg.
Der DSA verlangt für sehr große Plattformen mit mehr als 45 Millionen monatlich Nutzenden in der EU eine nicht personalisierte Feed-Option und verbietet Dark Patterns. Damit sind Auswahl, Reihenfolge und Gestaltung von Inhalten ausdrücklich Gegenstand gesetzlicher Pflichten.
Vergleich
Die Prognose, dass Aufmerksamkeit im Netz ökonomisch bewirtschaftet wird, ist bestätigt. Das Buch nannte keine Kennzahl für Bildschirmzeit, Werbeumsatz oder Empfehlungsanteil. Die Bestätigung betrifft daher das Geschäfts- und Gestaltungsprinzip, nicht eine quantitative Vorhersage.
14. Beschleunigung
Das Buch behandelt kürzere Innovationszyklen, schnellere Kommunikation und steigenden Zeitdruck unter dem Begriff „Beschleunigung“. Es definiert dafür weder einen Index noch einen Zielwert oder einen Zeitpunkt.
Je nachdem, ob man Prozessorleistung, Bandbreite, Nachrichtenmenge, Arbeitszeit, Produktivität oder subjektiven Zeitdruck heranzieht, prüft man eine andere Aussage. Wir bewerten dieses Thema deshalb als nicht quantitativ prüfbar. Einzelne Messwerte aus den anderen Kapiteln – 800 Gbit/s Ethernet, 88 Prozent KI-Nutzung in Organisationen oder 326,7 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz im Onlinehandel – ersetzen keine fehlende Definition von „Beschleunigung“.
Gesamtbilanz
| Bewertung | Anzahl | Anteil an 20 Themen | Themen |
|---|---|---|---|
| Bestätigt | 10 | 50 % | Überwachung, KI, Sprache, Text, Gesicht, Miniaturisierung, Bandbreite, ICANN, E-Commerce, Aufmerksamkeit |
| Teilweise bestätigt | 8 | 40 % | Evolutionäre Schaltungen, Nanotechnologie, Daten statt Sprache, IPv6, Cyborgs, Wearables, AR, körpernahe Netze |
| Nicht bestätigt | 1 | 5 % | Biocomputer als allgemeiner Ersatz klassischer Computer |
| Nicht quantitativ prüfbar | 1 | 5 % | Beschleunigung |
Die Bilanz bewertet Themen, nicht einzelne Sätze des Buchs. Breite Aussagen bekommen kein stärkeres Urteil, als die verfügbaren Messwerte hergeben. Herstellerangaben kennzeichnen wir als solche. Nicht vergleichbare Größen – etwa der 56-kbit/s-Modemzugang und 800-Gbit/s-Ethernet – stellen wir nicht als gleichartige Endkundenmessung dar.