Technologieprognosen 1998 versus 2026: der Faktencheck

20 Prognosen zu KI, Überwachung, Chips, Netzen, E-Commerce, Wearables und Aufmerksamkeit im Vergleich mit Messwerten und Quellen bis 17. Juli 2026.

Auf einen Blick

  • Die Ausgangsquelle ist die Buchausgabe von 2000.
  • Verglichen werden 20 Themen: 10 bestätigt, 8 teilweise bestätigt, 1 nicht bestätigt und 1 mangels messbarer Zielgröße nicht quantitativ prüfbar.
  • 1998/99 lagen die Vergleichswerte unter anderem bei 56 kbit/s für V.90, 0,64 Prozent E-Commerce-Anteil (Q4 1999) und rund 100 Millionen Internetnutzenden.
  • 2026 liegen die Vergleichswerte unter anderem bei 800 Gbit/s Ethernet, 16,9 Prozent E-Commerce-Anteil, 47,287 Prozent IPv6 bei Google und fast drei Vierteln der Weltbevölkerung online.

Dieser Faktencheck vergleicht die Buchausgabe von 2000 mit dem Datenstand 17. Juli 2026.

Das Buch behandelt Überwachung, künstliche Intelligenz, Sprach-, Schrift- und Gesichtserkennung, Miniaturisierung, evolutionäre Schaltungen, Bio- und Nanotechnologie, Telekommunikation, Bandbreite, ICANN, IPv6, E-Commerce, Cyborgs, Wearables, Augmented Reality, körpernahe Netze, Beschleunigung und Aufmerksamkeitsökonomie. Längere Passagen aus dem Buch oder anderen historischen Texten geben wir hier nicht wieder.

Bewertungsmaßstab
  • Bestätigt: Die Funktion oder Entwicklung ist 2026 im Betrieb, in einem Standard oder in einer amtlichen Statistik nachweisbar.
  • Teilweise bestätigt: Die Technik existiert, aber in einem engeren Einsatzgebiet, in anderer Form oder ohne die erwartete Verbreitung.
  • Nicht bestätigt: Der behauptete Ersatz einer bestehenden Technik ist bis zum Stichtag nicht eingetreten.
  • Nicht quantitativ prüfbar: Das Buch nennt keine eindeutige Messgröße oder belastbare Vergleichsreihe.

Inhaltsverzeichnis  

Ergebnis auf einen Blick

Alle 20 Themen mit Urteil in einer Tabelle.

KI und Erkennung

Künstliche Intelligenz, Sprache und Handschrift, Gesichtserkennung und Überwachung (Kapitel 1–3).

Chips und neue Rechenansätze

Miniaturisierung, evolutionäre Schaltungen, Bio- und Nanotechnologie (Kapitel 4–6).

Netze und E-Commerce

Bandbreite, ICANN, IPv6 und Online-Handel (Kapitel 7–10).

Mensch und Technik

Cyborgs, Wearables, Augmented Reality, Aufmerksamkeitsökonomie und Beschleunigung (Kapitel 11–14).

Gesamtbilanz

Wie die 20 Urteile zustande kommen und wie sie zu lesen sind.


Ergebnis  

ThemaAussage im Buch (1999)Messbarer Stand 2026Urteil
ÜberwachungAutomatisierte Beobachtung von Personen und BesitzKamera- und Gesichtssysteme plus kommerzielles PlattformtrackingBestätigt
Künstliche IntelligenzNeue Wachstumsphase nach Expertensystemen88 % Organisationsnutzung; 53 % GenAI-BevölkerungsadoptionBestätigt
SpracherkennungSprache als ComputerschnittstelleMehrsprachige ASR-Modelle mit 680.000 TrainingsstundenBestätigt
Schrift- und TexterkennungHandschrift wird maschinenlesbarOCR-Produktionsdienste verarbeiten Handschrift und DokumentstrukturBestätigt
GesichtserkennungErkennung für Sicherheit und ÜberwachungNIST testet 1.425 Algorithmen von 437 EntwicklernBestätigt
MiniaturisierungKleinere Strukturen und höhere Leistung2-nm-Prozessname seit Q4 2025 in SerienfertigungBestätigt
Evolutionäre SchaltungenEvolutionäre Verfahren erzeugen SchaltungenKI erzeugt Chip-Layouts; keine allgemeine Selbstevolution im BetriebTeilweise bestätigt
BiocomputerBiologische Systeme ergänzen oder ersetzen ComputerDNA-Schaltungen in Forschung und Biomedizin; kein PC-ErsatzNicht bestätigt
NanotechnologieNano-Strukturen verändern Elektronik, Medizin und MaterialienAnwendungen nachgewiesen; kein einzelnes UniversalproduktTeilweise bestätigt
Daten statt Sprache90 % mobile Datenlast bis 2005Datenvolumen überstieg Sprache weltweit erstmals Ende 2009Teilweise bestätigt; Termin falsch
BandbreiteOptische und digitale Übertragungsraten steigen stark800-Gbit/s-Ethernet ist seit 2024 standardisiertBestätigt
ICANN und InternetverwaltungGlobale Netzkoordination wird politische AufgabeICANN besteht; IANA-Transition 2016 abgeschlossenBestätigt
IPv6128 Bit werden für stark wachsende Gerätenetze benötigt47,287 % der Google-Zugriffe am 15. Juli 2026 über IPv6Teilweise bestätigt
E-CommerceKatalog, Bestellung, Zahlung und Service werden digital16,9 % des US-Einzelhandels in Q1 2026 onlineBestätigt
CyborgsTechnik verbindet sich direkt mit dem KörperMedizinische Implantate und BCIs; keine allgemeine technische AufrüstungTeilweise bestätigt
WearablesComputer werden am Körper getragenUhren, Ringe und Sensoren etabliert; intelligente Kleidung bleibt SpezialfallTeilweise bestätigt
Augmented RealityDigitale Information wird in die reale Umgebung eingeblendetVerfügbare Headsets ab 3.499 US-Dollar; kein allgemeines AlltagsgerätTeilweise bestätigt
Körpernahe NetzeDatenaustausch über oder nahe am KörperMedizinische und tragbare Systeme; keine dominante Alltags-NetztechnikTeilweise bestätigt
BeschleunigungTechnik beschleunigt Arbeit und AlltagKeine Zielgröße oder Frist im BuchNicht quantitativ prüfbar
AufmerksamkeitsökonomieAufmerksamkeit wird knappe ökonomische RessourcePlattformdesign und Empfehlungssysteme sind Gegenstand der DSA-AufsichtBestätigt

1. Künstliche Intelligenz  

Stand 1997/1998  

IBM Deep Blue gewann 1997 den Wettkampf gegen den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow. Das System verwendete 32 Prozessoren, bewertete bis zu 200 Millionen Schachstellungen pro Sekunde und erreichte 11,38 Milliarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde. Es war auf Schach spezialisiert.

Für das Buch war dieser Sieg der Beginn einer neuen KI-Phase. Konkrete heutige Modellarchitekturen, generative KI oder eine bestimmte Verbreitungsquote sagte es nicht voraus.

Stand Juli 2026  

Der Stanford AI Index 2026 nennt für 2025 mehrere Werte: 88 Prozent der befragten Organisationen setzten KI ein, generative KI erreichte binnen drei Jahren 53 Prozent der Bevölkerung, und mehr als 90 Prozent der als bedeutend eingestuften Frontier-Modelle kamen aus der Industrie. Auf SWE-bench Verified stieg die gemessene Leistung innerhalb eines Jahres von 60 auf nahezu 100 Prozent. Zugleich las das beste geprüfte Modell analoge Uhrzeiten nur in 50,1 Prozent der Fälle richtig ab; Agenten schafften auf OSWorld rund 66 Prozent der Aufgaben und scheiterten damit noch etwa bei jeder dritten.

Vergleich  

Die Prognose einer neuen KI-Wachstumsphase ist bestätigt. Die Aussagen von damals waren allgemein gehalten; eine messbare Vorhersage für generative Modelle, multimodale Systeme oder eine Organisationsnutzung von 88 Prozent enthielten sie nicht. Diese späteren Entwicklungen sind deshalb keine einzeln überprüfbaren Prognosen, sondern ein kräftigerer Ausbau derselben Technologiekategorie.

2. Sprache, Handschrift und Text  

Sprache 1999  

Als verfügbare Systeme nennt das Buch Dragon NaturallySpeaking und IBM ViaVoice. Die dort genannte Erkennungsrate von rund 95 Prozent war eine Herstellerangabe nach dem Training, keine unabhängige Messung, die sich über Produkte und Sprachen hinweg vergleichen ließe. Als offene Probleme führt es Aussprache, Sprechgeschwindigkeit, zusammengezogene Laute und Umgebungsgeräusche an.

Sprache 2026  

Whisper wurde mit 680.000 Stunden mehrsprachiger und multitask-orientierter Audiodaten trainiert. Das Modell transkribiert mehrere Sprachen und übersetzt aus mehreren Sprachen ins Englische. Die zugehörige Veröffentlichung beschreibt eine robuste Zero-Shot-Leistung, behauptet aber keine durchgängige Fehlerfreiheit.

Handschrift und Dokumente 1999  

Als Beispiel jener Zeit dient der Palm Pilot mit seiner festgelegten Eingabeschrift. Zugleich hält das Buch fest, dass sich noch kein allgemeiner Handschriftstandard durchgesetzt hatte.

Handschrift und Dokumente 2026  

Google Cloud Vision bietet Handschrifterkennung als produktiven OCR-Dienst. DOCUMENT_TEXT_DETECTION liefert eine Hierarchie aus Seite, Block, Absatz, Wort und Zeichen; die asynchrone Stapelverarbeitung verarbeitet bis zu 2.000 Bilddateien. Für Speicherung und Verarbeitung steht unter anderem ein EU-Endpunkt zur Verfügung.

Vergleich  

Sprach- und Texterkennung sind als Computerschnittstellen bestätigt. Nur die Form hat sich geändert: Statt einer eigens erlernten Eingabeschrift auf einem einzelnen Handheld verarbeiten heutige Dienste freie Handschrift, gescannte Dokumente und deren Struktur. Die alte Herstellerquote von 95 Prozent lässt sich nicht direkt mit heutigen Modellwerten vergleichen, weil Datensätze, Sprachen, Fehlermaße und Testbedingungen dazu fehlen.

3. Gesichtserkennung und Überwachung  

Gesichtserkennung 1993 bis 1998  

Das US-Programm FERET lief von 1993 bis 1998. Die Datenbank enthielt 14.126 Bilder von 1.199 Personen, aufgenommen in 15 Sitzungen zwischen August 1993 und Juli 1996. Das Programm erhielt mehr als 6,5 Millionen US-Dollar; der Entwicklungsdatensatz ging an mehr als 100 Gruppen. Vor FERET wurden Erkennungsraten von über 95 Prozent häufig auf kontrollierten Datensätzen mit weniger als 50 Personen berichtet. FERET führte größere gemeinsame Testdaten und unabhängige Evaluationen ein.

Das Buch verband Gesichtserkennung bereits mit Flughäfen, Sicherheitskontrollen und automatisierter Beobachtung.

Gesichtserkennung 2026  

Die laufende NIST-Evaluierung FRTE 1:1 verzeichnete am 15. Juni 2026 insgesamt 1.425 eingereichte Algorithmen von 437 Entwicklern. Allein 2026 waren bis zu diesem Stichtag 62 Algorithmen von 61 Entwicklern hinzugekommen. NIST misst dabei die False-Non-Match-Rate bei einer festen False-Match-Rate von 10⁻⁶. Die Auswertung zeigt weiterhin Unterschiede je nach Datensatz und Bildqualität. Als Ursachen für demografische Unterschiede nennt NIST unzureichende Beleuchtung, Über- oder Unterbelichtung, Kamerawinkel und eine Unterrepräsentation in den Trainingsdaten.

Überwachung 2024 bis 2026  

Der FTC-Bericht von 2024 beruht auf Auskünften von neun großen Social-Media- und Streaming-Unternehmen. Die Behörde dokumentiert Datenerhebung über Nutzende und Nichtnutzende, Daten aus Drittquellen und Datenbrokern, teilweise unbefristete Aufbewahrung sowie die Nutzung personenbezogener Daten in Algorithmen, Analytik und KI. Die Untersuchung betrifft neben sichtbarer Kameraüberwachung auch Klicks, Werbung, Profile und Empfehlungssysteme.

Der Digital Services Act setzt für sehr große Plattformen die Schwelle bei mehr als 45 Millionen monatlich Nutzenden in der EU. Diese Plattformen müssen unter anderem eine nicht personalisierte Feed-Option anbieten. Der DSA verbietet irreführende Gestaltungsmuster und profilbasierte Werbung an Kinder.

Vergleich  

Gesichtserkennung und automatisierte Überwachung sind bestätigt. Das Buch konzentrierte sich auf Kameras, Sicherheitsbehörden und Identifikation. 2026 kommen nachweislich kommerzielle Plattformdaten, Werbeprofile und automatisierte Empfehlungssysteme dazu.

4. Miniaturisierung  

Halbleiter 1997/1998  

Intel stellte den Pentium II 1997 mit 7,5 Millionen Transistoren, einem 0,35-Mikrometer-Prozess und Taktraten von 233, 266 und 300 MHz vor. 0,35 Mikrometer entsprechen 350 Nanometern. Das Buch nennt ergänzend ein IBM-Laborergebnis von 1,1 GHz und Strukturen von 0,18 Mikrometern.

Halbleiter 2025/2026  

TSMC begann nach eigenen Angaben im vierten Quartal 2025 mit der Serienfertigung seines N2-Prozesses. N2 verwendet die erste Nanosheet-Transistorgeneration des Unternehmens.

Die Angaben 350 nm und 2 nm bezeichnen keine geometrisch identische Messung. Bei den älteren Prozessen stand die Zahl noch weitgehend für eine reale Strukturgröße; moderne Knotennamen fassen dagegen Dichte, Leistung und Fertigungsmerkmale zusammen und entsprechen keiner einzelnen Gatelänge. Ein Faktor von 175 ließe sich zwar ausrechnen, wäre physikalisch aber irreführend.

Vergleich  

Die Prognose kleinerer und leistungsfähigerer Schaltungen ist bestätigt. Nicht bestätigt ist die Vorstellung, Fortschritt lasse sich allein an der Taktfrequenz ablesen: Moderne Systeme gewinnen Leistung zusätzlich über Parallelität, spezialisierte Beschleuniger, Speicherarchitektur und Packaging.

5. Evolutionäre Schaltungen  

Stand 1996/1998  

Adrian Thompson veröffentlichte 1996 ein Experiment, in dem ein genetischer Algorithmus reale rekonfigurierbare Hardware konfigurierte. Das Buch beschreibt solche evolutionären Schaltungen als mögliche Alternative zu vollständig von Menschen entworfenen Schaltungen.

Stand 2026  

AlphaChip nutzt Reinforcement Learning, um Chipblöcke zu platzieren. Nach Angaben von Google DeepMind erzeugt das System Layouts in Stunden statt in Wochen oder Monaten und kam bei drei Generationen der Tensor Processing Unit zum Einsatz. Optimiert wird im Entwurf, also vor der Fertigung.

Vergleich  

Bestätigt ist, dass lernende oder suchende Verfahren beim Hardwareentwurf zum Einsatz kommen. Nicht bestätigt ist eine Hardware, die ihre physische Schaltung im laufenden Betrieb selbst evolutionär umbaut. Das Urteil lautet deshalb teilweise bestätigt.

6. Bio- und Nanotechnologie  

DNA-Computing 1994/1998  

Leonard Adleman löste 1994 ein kombinatorisches Pfadproblem mit DNA-Molekülen. Das Experiment zeigte, dass sich molekulare Reaktionen zum Rechnen nutzen lassen. Daraus leitete das Buch deutlich weiterreichende Möglichkeiten ab, bis hin zu persönlichen Biochips und einer möglichen Ablösung klassischer Computer.

Biocomputing 2025/2026  

Ein Review in Nature Reviews Bioengineering beschreibt 2025 DNA-basierte Logikgatter und Schaltungen für Biosensorik, Diagnostik und bedingte therapeutische Reaktionen. Als offene Punkte nennt die Fachliteratur unter anderem Robustheit, Skalierbarkeit, Standardisierung und klinische Übertragung. Ein allgemeiner DNA-Computer als Ersatz für PC, Smartphone oder Server ist nicht dokumentiert.

Die FDA genehmigte Casgevy am 8. Dezember 2023 als erste zugelassene Therapie mit CRISPR/Cas9. Von 31 auswertbaren Personen mit Sichelzellkrankheit erreichten 29, entsprechend 93,5 Prozent, mindestens zwölf aufeinanderfolgende Monate ohne schwere vaso-okklusive Krise. Die Behandlung verändert Blutstammzellen und ist eine Gentherapie, kein universeller Biocomputer.

Nanotechnologie 2026  

Die National Nanotechnology Initiative dokumentiert Anwendungen in Transistoren und Speichern, Displays, Sensoren, Katalysatoren, Wasseraufbereitung, Wirkstofftransport, Diagnostik, Beschichtungen, Batterien und Leichtbaumaterialien. Diese Anwendungen bilden kein einzelnes Produktsegment und keine einheitliche Rechenarchitektur.

Vergleich  

Die Prognose eines allgemeinen biologischen Computerersatzes ist nicht bestätigt. DNA-basierte Berechnung und Genomeditierung sind als spezialisierte Labor- und Medizinverfahren bestätigt. Die Nanotechnologie-Prognose ist teilweise bestätigt, weil Anwendungen in mehreren Branchen nachweisbar sind, das Buch aber keinen messbaren Zielwert oder Zeitpunkt definierte.

7. Bandbreite und Telekommunikation  

Stand 1998  

Die ITU genehmigte V.90 am 1. September 1998. Der Modemstandard spezifizierte bis zu 56.000 bit/s vom digitalen Netz zum analogen Teilnehmeranschluss und bis zu 33.600 bit/s in Gegenrichtung.

Das Buch nennt außerdem ein optisches Laborexperiment mit 3,8-Femtosekunden-Pulsen und einer daraus abgeleiteten theoretischen Rate von 263 Gbit/s. Es prognostiziert, dass Datendienste das Kerngeschäft der Telekommunikation werden und zitiert eine damalige Vorhersage von 90 Prozent Datenanteil an der Mobilfunklast im Jahr 2005.

Stand 2024 bis 2026  

IEEE 802.3df-2024 standardisiert Ethernet mit 400 und 800 Gbit/s. 800 Gbit/s sind rechnerisch rund das 14,3-Millionenfache von 56 kbit/s. Dieser Faktor stellt aber einen Modem-Zugangsstandard neben einen modernen Ethernet-Standard für Hochleistungsnetze und ist deshalb kein Vergleich von Endkundengeschwindigkeit. Gegenüber der im Buch genannten theoretischen optischen Rate von 263 Gbit/s liegt der standardisierte 800-Gbit/s-Wert etwa beim Faktor 3,04.

Ericsson datiert den weltweiten Schnittpunkt von mobilem Daten- und Sprachvolumen auf Ende 2009: Erst zu diesem Zeitpunkt überstieg das monatliche Datenvolumen erstmals den Sprachverkehr. Die im Buch zitierte Prognose von 90 Prozent Datenlast bis 2005 war damit in Zeitpunkt und Größenordnung falsch; bestätigt wurde nur die spätere Richtung der Entwicklung.

Die ITU meldet für 2025 fast drei Viertel der Weltbevölkerung online und 2,2 Milliarden Menschen offline. 5G deckte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ab und stellte mehr als ein Drittel der mobilen Breitbandanschlüsse. Die ITU nennt weiterhin Lücken bei Qualität und Leistbarkeit.

Vergleich  

Der starke Bandbreitenanstieg ist bestätigt. Die konkrete Aussage von 90 Prozent Datenlast im Jahr 2005 ist nicht bestätigt. Dass mobiles Datenvolumen den Sprachverkehr Ende 2009 überstieg, bestätigt die Entwicklungsrichtung mit mindestens vier Jahren Verspätung gegenüber dem genannten Zieljahr. Das Urteil für „Daten statt Sprache“ lautet deshalb teilweise bestätigt.

8. ICANN und Internetverwaltung  

Stand 1999  

Die Gründungsdokumente von ICANN wurden am 30. September 1998 eingereicht. ICANN bezifferte die damalige Zahl der Internetnutzenden rückblickend auf ungefähr 100 Millionen. Das Buch berücksichtigt außerdem das erste Geschäftsjahr, Network Solutions und das Shared-Registry-System.

Stand 2016/2026  

Im Oktober 2016 endete der Vertrag zwischen US-Regierung und ICANN über die IANA-Funktionen. Die Aufsicht ging an das globale Multistakeholder-Modell über. ICANN koordiniert weiterhin das Domain Name System und Internetnummern; staatliche Regulierung von Datenschutz, Plattformen, Wettbewerb und Inhalten erfolgt parallel auf nationaler und regionaler Ebene.

Die ITU-Zahl von fast drei Vierteln der Weltbevölkerung online entspricht grob sechs Milliarden Menschen. Gegenüber den rund 100 Millionen von 1998 ist das ungefähr Faktor 60; Erhebungsmethoden und Definitionen haben sich in diesem Zeitraum verändert.

Vergleich  

Die Prognose, dass Internetverwaltung eine dauerhafte globale Koordinations- und Politikaufgabe wird, ist bestätigt. Eine alleinige Zuständigkeit von ICANN sagte das Buch nicht voraus; 2026 bestehen technische Multistakeholder-Koordination und territoriale Rechtsdurchsetzung nebeneinander.

9. IPv6  

Stand 1998  

RFC 2460 wurde im Dezember 1998 veröffentlicht. IPv6 erweiterte die Adresslänge von 32 auf 128 Bit und definierte unter anderem einen vereinfachten Header, Erweiterungsheader und Flow Labels. RFC 2460 wurde 2017 durch RFC 8200 abgelöst. Das Buch verband den größeren Adressraum mit einer wachsenden Zahl vernetzter Geräte und körpernaher Computer.

Stand Juli 2026  

Google misst den Anteil der eigenen Nutzenden, die Google über IPv6 erreichen. Für den 15. Juli 2026 weist der veröffentlichte Datensatz 47,287073 Prozent aus, am 11. Juli lag der Wert bei 50,246537 Prozent. Die Schwankung hängt unter anderem am Unterschied zwischen Werktagen und Wochenenden. Gemessen wird dabei nicht der gesamte weltweite Verkehr, sondern allein die Google-Nutzung.

Vergleich  

Der Bedarf an einem größeren Adressraum und die produktive Nutzung von IPv6 sind bestätigt. Eine vollständige Ablösung von IPv4 ist nicht eingetreten. Das Urteil lautet teilweise bestätigt, weil die technische Begründung stimmt, die Koexistenz aber mehr als 27 Jahre nach Veröffentlichung der Spezifikation fortbesteht.

10. E-Commerce  

Messbeginn 1999  

Das U.S. Census Bureau begann im Oktober 1999 mit der monatlichen Erhebung des Online-Einzelhandels. Die erste offizielle Quartalsschätzung erschien am 2. März 2000: Im vierten Quartal 1999 entfielen 5,3 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 0,64 Prozent des US-Einzelhandels auf E-Commerce. Eine methodisch identische offizielle Zahl für das vierte Quartal 1998 liegt in dieser Reihe nicht vor.

Das Buch beschreibt E-Commerce als durchgängigen Prozess aus Information, Katalog, Bestellung, Zahlung, Lieferung und Kundenservice.

Stand 2025/2026  

Für das erste Quartal 2026 meldet das U.S. Census Bureau saisonbereinigte, nicht preisbereinigte Online-Einzelhandelsumsätze von 326,7 Milliarden US-Dollar. Das waren 16,9 Prozent von insgesamt 1.929,0 Milliarden US-Dollar Einzelhandelsumsatz. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 stieg E-Commerce um 9,8 Prozent, der gesamte Einzelhandel um 3,9 Prozent.

Der Umsatzvergleich 5,3 zu 326,7 Milliarden US-Dollar ist wegen Inflation, Saisonbereinigung, Quartalsunterschieden und methodischen Änderungen kein realer Wachstumsfaktor. Der Anteil am Einzelhandel stieg von 0,64 auf 16,9 Prozent; das entspricht 16,3 Prozentpunkten beziehungsweise ungefähr dem 26-Fachen des Ausgangsanteils.

Für die EU meldet Eurostat 2025: 95 Prozent der 16- bis 74-Jährigen hatten das Internet in den vorangegangenen zwölf Monaten genutzt; 78 Prozent dieser Internetnutzenden hatten Waren oder Dienstleistungen online bestellt. 63 Prozent der Onlinekaufenden meldeten kein Problem beim Einkauf.

Vergleich  

Die Prognose eines durchgängigen digitalen Handelsprozesses ist bestätigt. Die verfügbaren Statistiken belegen sowohl einen höheren Umsatzanteil als auch eine breite Nutzung in der EU.

11. Cyborgs, Wearables und körpernahe Netze  

Körpernahe Kommunikation 1996/1998  

Thomas Zimmerman beschrieb 1996 bei IBM ein Personal Area Network mit kapazitiver Nahfeldkommunikation über den menschlichen Körper. Ein Prototyp übertrug elektronische Visitenkarten bei einem Handschlag. Das Buch verband diese Forschung mit Wearables, intelligenter Kleidung, Schmuck, militärischen Systemen und einer engeren Verbindung von Körper und Computer.

Wearables 2026  

Die FDA führt frei verkäufliche EKG-Software für handgehaltene oder am Handgelenk, Arm beziehungsweise Brust getragene Elektronik als Medizinprodukt der Klasse II. Die Software darf EKG-Daten erzeugen, analysieren und anzeigen sowie Hinweise auf Rhythmusstörungen geben; sie ist ausdrücklich nicht als eigenständige Diagnose bestimmt.

Diese Geräteklasse zeigt, dass tragbare Sensorik und regulierte Software inzwischen fest zusammengehören. Sie zeigt nicht, dass intelligente Kleidung oder körperinterne Datennetze zum allgemeinen Standard geworden sind.

Gehirn-Computer-Schnittstelle 2024  

In einer NIH-finanzierten Studie wurden vier Felder mit jeweils 64 Mikroelektroden, insgesamt 256 Elektroden, in den linken präzentralen Gyrus eines Menschen mit ALS implantiert. Nach 30 Minuten Kalibrierung erkannte das System bei einem 50-Wort-Vokabular mehr als 99 Prozent der Wörter. Mit 125.000 Wörtern lag die Erkennung nach weiterer Kalibrierung über 90 Prozent. Nach 16 Nutzungsstunden erreichte das System ungefähr 97,5 Prozent und hielt dieses Niveau mehr als acht Monate; die Sprechrate lag bei etwa 32 Wörtern pro Minute.

Vergleich  

Bestätigt sind tragbare Sensoren, medizinische Implantate und direkte neuronale Schnittstellen. Nicht bestätigt ist der allgemeine „Cyborg“ als verbreitete technische Aufrüstung gesunder Menschen. Intelligente Kleidung und Datenübertragung über den Körper bleiben gegenüber Uhren, Ringen, Kopfhörern und medizinischen Geräten Spezialformen. Cyborgs, Wearables und körpernahe Netze werden deshalb jeweils als teilweise bestätigt bewertet.

12. Augmented Reality  

Stand 1997/1998  

Ronald Azumas Überblick von 1997 definierte Augmented Reality durch die Verbindung realer und virtueller Inhalte, Interaktion in Echtzeit und dreidimensionale Registrierung. Genannt wurden Anwendungen in Medizin, Fertigung, Visualisierung, Unterhaltung und Militär. Zu den technischen Problemen zählten Tracking- und Registrierungsfehler. Das Buch übernahm AR als Thema für kontextbezogene Information und körpernahe Computer.

Stand 2024/2026  

Apple brachte Vision Pro am 2. Februar 2024 in den USA auf den Markt. Das Modell mit 256 GB startete bei 3.499 US-Dollar; optische Einsätze kosteten zusätzlich 99 beziehungsweise 149 US-Dollar. Die Bedienung kombiniert Augen, Hände und Stimme.

Der Marktstart zeigt, dass ein räumlicher Computer technisch und kommerziell verfügbar ist. Über eine breite Alltagsverbreitung sagen Preis und Verfügbarkeit nichts aus. Eine belastbare, herstellerübergreifende Nutzungsquote für AR-Headsets haben wir für diesen Artikel nicht gefunden und behaupten sie deshalb auch nicht.

Vergleich  

Die technische Form der AR-Prognose ist bestätigt. Die erwartete breite Alltagsrolle körpernaher AR-Systeme ist mit den verwendeten Daten nicht belegt. Das Urteil lautet teilweise bestätigt.

13. Aufmerksamkeitsökonomie  

Stand 1997/1998  

Michael Goldhaber veröffentlichte „The attention economy and the Net“ am 7. April 1997 in First Monday. Der Artikel behandelte Aufmerksamkeit als zentrale knappe Ressource des Netzes. Das Buch nahm den Begriff in den Technologieausblick auf.

Stand 2026  

Die Europäische Kommission stellte am 6. Februar 2026 vorläufig fest, dass das suchterzeugende Design von TikTok gegen den Digital Services Act verstoßen könnte. Die Untersuchung nennt vier konkrete Gestaltungsmerkmale: Infinite Scroll, Autoplay, Push-Benachrichtigungen und ein hochgradig personalisiertes Empfehlungssystem. Die Feststellung ist vorläufig und nimmt das Endergebnis des Verfahrens nicht vorweg.

Der DSA verlangt für sehr große Plattformen mit mehr als 45 Millionen monatlich Nutzenden in der EU eine nicht personalisierte Feed-Option und verbietet Dark Patterns. Damit sind Auswahl, Reihenfolge und Gestaltung von Inhalten ausdrücklich Gegenstand gesetzlicher Pflichten.

Vergleich  

Die Prognose, dass Aufmerksamkeit im Netz ökonomisch bewirtschaftet wird, ist bestätigt. Das Buch nannte keine Kennzahl für Bildschirmzeit, Werbeumsatz oder Empfehlungsanteil. Die Bestätigung betrifft daher das Geschäfts- und Gestaltungsprinzip, nicht eine quantitative Vorhersage.

14. Beschleunigung  

Das Buch behandelt kürzere Innovationszyklen, schnellere Kommunikation und steigenden Zeitdruck unter dem Begriff „Beschleunigung“. Es definiert dafür weder einen Index noch einen Zielwert oder einen Zeitpunkt.

Je nachdem, ob man Prozessorleistung, Bandbreite, Nachrichtenmenge, Arbeitszeit, Produktivität oder subjektiven Zeitdruck heranzieht, prüft man eine andere Aussage. Wir bewerten dieses Thema deshalb als nicht quantitativ prüfbar. Einzelne Messwerte aus den anderen Kapiteln – 800 Gbit/s Ethernet, 88 Prozent KI-Nutzung in Organisationen oder 326,7 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz im Onlinehandel – ersetzen keine fehlende Definition von „Beschleunigung“.

Gesamtbilanz  

BewertungAnzahlAnteil an 20 ThemenThemen
Bestätigt1050 %Überwachung, KI, Sprache, Text, Gesicht, Miniaturisierung, Bandbreite, ICANN, E-Commerce, Aufmerksamkeit
Teilweise bestätigt840 %Evolutionäre Schaltungen, Nanotechnologie, Daten statt Sprache, IPv6, Cyborgs, Wearables, AR, körpernahe Netze
Nicht bestätigt15 %Biocomputer als allgemeiner Ersatz klassischer Computer
Nicht quantitativ prüfbar15 %Beschleunigung

Die Bilanz bewertet Themen, nicht einzelne Sätze des Buchs. Breite Aussagen bekommen kein stärkeres Urteil, als die verfügbaren Messwerte hergeben. Herstellerangaben kennzeichnen wir als solche. Nicht vergleichbare Größen – etwa der 56-kbit/s-Modemzugang und 800-Gbit/s-Ethernet – stellen wir nicht als gleichartige Endkundenmessung dar.

Historischer Rückblick auf das Buch von 2000

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Dieser Inhalt wurde teilweise mithilfe von KI erstellt.