7.900+ öffentliche Webadressen: So fragmentiert ist Österreichs digitale Verwaltung

Aktualisierte Bestandsaufnahme: 45.278 offizielle Quelldatensätze, 27.947 veröffentlichte Zuordnungen und 7.906 unterschiedliche Webadressen zeigen Österreichs digitale Verwaltung.

Auf einen Blick

  • Das Verzeichnis verarbeitet 45.278 Datensätze aus neun offiziellen Quellsystemen.
  • Veröffentlicht sind 27.947 quellenbelegte Zuordnungen für 27.934 Quellobjekte – Einrichtungen und Orte – mit 7.906 unterschiedlichen Webadressen.
  • Alle 9.891 von den Quellen gelieferten URLs wurden technisch geprüft; keine Adresse wurde geraten oder aus einem Namensmuster erzeugt.
  • Die Bestandsaufnahme ist quellengebunden: Lücken in offiziellen Verzeichnissen bleiben sichtbar und eine Vollständigkeit für ganz Österreich lässt sich nicht seriös behaupten.
Kontext: TYPO3 als Government-Standard

Diese Analyse liefert die Datengrundlage für strategische Entscheidungen zur Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Deutschland investiert aktuell rund 108 Millionen Euro in einen TYPO3-basierten Government Site Builder – ein starkes Signal für die Technologie-Wahl. Wie Österreich von dieser Entwicklung profitieren und einen intelligenteren Weg einschlagen kann, analysieren wir in unserem Artikel Österreich + TYPO3: Smarte Government-Websites nach deutschem Vorbild.

Im Juli 2026 grundlegend aktualisiert

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 13. Dezember 2025. Wir haben Datenbasis, Zahlen, Suchverzeichnis und Methodik im Juli 2026 umfassend erneuert. Die bestehende URL bleibt unverändert.


Inhaltsverzeichnis  


Die Ausgangslage: Warum diese Analyse?  

Wer über ein „Bundes-CMS" oder eine zentrale Government-Plattform diskutiert, braucht zunächst eine klare Antwort auf eine scheinbar triviale Frage: Wie viele Websites betreibt der österreichische Staat eigentlich?

Die ehrliche Antwort lautet weiterhin: Eine exakte Gesamtzahl ist derzeit nicht belegbar.

Update Juli 2026: Aus der ursprünglichen Recherche ist ein normalisiertes, quellengebundenes Verzeichnis entstanden. Es verarbeitet 45.278 Datensätze aus neun offiziellen Quellsystemen und veröffentlicht daraus 27.947 Zuordnungen zwischen Quellobjekten und Webadressen. Diese Zuordnungen betreffen 27.934 Einrichtungen und Orte, 7.906 unterschiedliche Webadressen und 6.716 unterschiedliche Domains.

Das ist eine wesentlich breitere Bestandsaufnahme – aber kein Beweis dafür, dass damit jede öffentliche oder halböffentliche Website Österreichs erfasst ist. Wo offizielle Quellen keine Webadresse liefern, bleibt die Lücke ausdrücklich bestehen. Das Verzeichnis ergänzt keine geratenen oder schematisch erzeugten Domains.

45.278

Offizielle Quelldatensätze aus neun nachvollziehbaren Quellsystemen

27.947

Veröffentlichte Zuordnungen zwischen Einrichtungen und Webadressen

7.906

Unterschiedliche Webadressen auf 6.716 Domains

0

Geratene oder generierte Domains – veröffentlicht werden nur quellenbelegte Adressen

Warum zeigt die Kategorie 22.384 Einträge?

Österreich hat rund 2.100 Gemeinden, aber die amtlichen Quellen führen einen Eintrag je Ort – also auch Ortschaften und Katastralgemeinden. Deshalb zeigt diese Kategorie 22.384 Einträge, obwohl sich viele Orte dieselbe Gemeinde-Website teilen. Genau diese Mehrfachnutzung ist der Hebel: Wer die Fragmentierung kennt, kann Betrieb, Pflege und Sicherheit günstiger bündeln – etwa über ein einheitliches CMS. Wie das geht, zeigt Österreich + TYPO3: Smarte Government-Websites nach deutschem Vorbild.


Executive Summary  

Zentrale Erkenntnis

Bevor ein „Bundes-CMS" oder eine zentrale digitale Plattform für den öffentlichen Sektor sinnvoll geplant werden kann, braucht es eine belastbare, fortlaufend aktualisierte Bestandsaufnahme. Man kann nicht konsolidieren, was man nicht kennt.

Es existiert kein zentrales Register aller öffentlichen Websites in Österreich. Unser Verzeichnis führt deshalb neun offizielle Quellsysteme zusammen, bewahrt die Herkunft jedes Datensatzes und weist fehlende Angaben aus. Von 36.631 als relevant eingestuften Einrichtungen und Orten haben 27.934 mindestens eine akzeptierte Webadresse; bei 8.697 fehlt sie in den ausgewerteten offiziellen Quellen.

Die digitale Präsenz des österreichischen Staates spiegelt die föderale Struktur des Landes wider: dezentral, autonom, fragmentiert. Das ist kein Bug – das ist ein Feature der österreichischen Verfassung. Doch diese Struktur bringt erhebliche Herausforderungen für Auffindbarkeit, Barrierefreiheit und systemweite Analysen mit sich.

9.891

Quellseitig gelieferte URLs geprüft
2.765 direkt erreichbar, 6.463 weitergeleitet und 663 derzeit nicht erreichbar

30.301

Akzeptierte Quellbeziehungen
Nach Normalisierung, Evidenzprüfung und Zusammenführung

91

Quarantänisierte Quellwerte
Auffällige Angaben werden nicht ungeprüft veröffentlicht

0

Ungeprüfte URLs
Jeder von den Quellen gelieferte URL-Wert durchlief die technische Prüfung


Bundesebene: Historische Modellrechnung  

Historische Modellrechnung

Die folgenden Zahlen zur Bundesebene stammen aus der ursprünglichen Analyse vom Dezember 2025. Sie sind eine damalige Schätzung von Kern-Websites und Subsites – keine Teilmenge, die sich direkt mit den aktuellen 27.947 Verzeichnis-Zuordnungen vergleichen lässt. Die dargestellten Ressortannahmen ergeben 190 Subsites beziehungsweise rund 203 digitale Touchpoints.

Das ministerielle Kerngerüst  

Die Bundesregierung Stocker besteht seit März 2025 aus dem Bundeskanzleramt und 13 Bundesministerien. Jede Einheit betreibt eine primäre Webpräsenz – mit einer Ausnahme: Das Ministerium für Europa, Integration und Familie ist im Bundeskanzleramt angesiedelt und nutzt dessen Domain.

MinisteriumAkronymOffizielle URL
BundeskanzleramtBKAbka.gv.at
BM Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege, KonsumentenschutzBMASGPKsozialministerium.gv.at
BM BildungBMBbmb.gv.at
BM Europäische und internationale AngelegenheitenBMEIAbmeia.gv.at
BM FinanzenBMFbmf.gv.at
BM InneresBMIbmi.gv.at
BM JustizBMJbmj.gv.at
BM Frauen, Wissenschaft und ForschungBMFWFbmfwf.gv.at
BM Innovation, Mobilität und InfrastrukturBMIMIbmimi.gv.at
BM LandesverteidigungBMLVbmlv.gv.at
BM Land- und Forstwirtschaft, Klima, UmweltBMLUKbmluk.gv.at
BM Wirtschaft, Energie und TourismusBMWETbmwet.gv.at
BM Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und SportBMWKMSbmwkms.gv.at

Warum das relevant ist: Jede Regierungsumbildung stellt die digitale Identität des Staates vor Herausforderungen. Domain-Änderungen, URL-Weiterleitungen und die Wahrung der Kontinuität für Bürger:innen erfordern durchdachte Governance-Strategien. Ohne klare Standards entstehen tote Links, verwaiste Inhalte und Verwirrung bei Nutzer:innen.

Das Subsite-Ökosystem: Strategie statt Chaos  

Hinter jedem Ministerium verbirgt sich ein komplexes Netzwerk von Subsites. Die Struktur folgt einer klaren Logik:

Fallbeispiel: Bildungsministerium – Dezentralisierung als Prinzip  

Das Bundesministerium für Bildung (BMB) verdeutlicht die Komplexität des Ökosystems:

Typ-A-Subsites des Bildungsministeriums:

  • 9 Bildungsdirektionen – eine pro Bundesland, jeweils mit eigener Webpräsenz
  • Bundesschullandheime – gemeinsame Website auf bslh.at
  • Institut für Qualitätssicherung (IQS) – eigenständiges Portal
  • Pädagogische Hochschulen – bundesweites Netzwerk
  • Zentrallehranstalten – diverse Spezialisierungen
Strategischer Insight

Die hohe Anzahl an Subsites ist keine Unordnung, sondern bewusste Strategie: Typ-A-Subsites ermöglichen organisatorische Autonomie, Typ-B-Subsites schaffen zielgruppenspezifische Kommunikationskanäle mit eigener Marke – effektiver als eine überladene Hauptseite.

Quantitative Synthese: Der digitale Fußabdruck des Bundes  

subsitesgesamt
bar chart-2,486,5115,524,533,5BundeskanzleramtBM Arbeit & SozialesBM BildungBM Europäische AngelegenheitenBM FinanzenBM InneresBM JustizBM Frauen & WissenschaftBM Innovation & MobilitätBM LandesverteidigungBM Landwirtschaft & KlimaBM Wirtschaft & EnergieBM Wohnen & Kultursubsites, Bundeskanzleramt: 15gesamt, Bundeskanzleramt: 16subsites, BM Arbeit & Soziales: 15gesamt, BM Arbeit & Soziales: 16subsites, BM Bildung: 30gesamt, BM Bildung: 31subsites, BM Europäische Angelegenheiten: 10gesamt, BM Europäische Angelegenheiten: 11subsites, BM Finanzen: 10gesamt, BM Finanzen: 11subsites, BM Inneres: 15gesamt, BM Inneres: 16subsites, BM Justiz: 10gesamt, BM Justiz: 11subsites, BM Frauen & Wissenschaft: 15gesamt, BM Frauen & Wissenschaft: 16subsites, BM Innovation & Mobilität: 15gesamt, BM Innovation & Mobilität: 16subsites, BM Landesverteidigung: 10gesamt, BM Landesverteidigung: 11subsites, BM Landwirtschaft & Klima: 20gesamt, BM Landwirtschaft & Klima: 21subsites, BM Wirtschaft & Energie: 10gesamt, BM Wirtschaft & Energie: 11subsites, BM Wohnen & Kultur: 15gesamt, BM Wohnen & Kultur: 16
ressortsubsitesgesamt
Bundeskanzleramt1516
BM Arbeit & Soziales1516
BM Bildung3031
BM Europäische Angelegenheiten1011
BM Finanzen1011
BM Inneres1516
BM Justiz1011
BM Frauen & Wissenschaft1516
BM Innovation & Mobilität1516
BM Landesverteidigung1011
BM Landwirtschaft & Klima2021
BM Wirtschaft & Energie1011
BM Wohnen & Kultur1516
KategorieAnzahl
Ministerielle Kern-Websites13
Subsites (Typ A & B, historische Annahme)~190
Summe der dargestellten Ressortannahmen~203

Landesebene: Föderalismus im digitalen Raum  

Neun Bundesländer, neun digitale Strategien  

Österreichs föderale Struktur spiegelt sich unmittelbar in der digitalen Landschaft wider. Jedes Bundesland agiert mit hoher Autonomie – das Ergebnis ist eine fragmentierte, aber vielfältige digitale Präsenz.

BundeslandHauptwebsiteBesonderheit
Burgenlandburgenland.atKleinstes Bundesland
Kärntenktn.gv.atZweisprachige Region (Slowenisch)
Niederösterreichnoe.gv.atFlächenmäßig größtes Bundesland
Oberösterreichland-oberoesterreich.gv.atLängste Domain-URL
Salzburgsalzburg.gv.atStadt und Land getrennt
Steiermarksteiermark.atZweitgrößtes Bundesland
Tiroltirol.gv.atAlpenregion mit Tourismus-Fokus
Vorarlbergvorarlberg.atWestlichstes Bundesland
Wienwien.gv.atStadt und Bundesland in einem

Institutionelle Isomorphie: Ähnliche Strukturen, unterschiedliche Umsetzung  

Die digitale Architektur der Landesverwaltungen ähnelt strukturell der Bundesebene – ein Phänomen, das Organisationsforscher:innen als „institutionelle Isomorphie" bezeichnen: Organisationen im selben Sektor entwickeln ähnliche Strukturen.

Das größte Bundesland setzt auf weitläufige Dezentralisierung:

  • 20 Bezirkshauptmannschaften + 4 Statutarstädte
  • NÖ Landeskliniken – eigene Webpräsenz für Gesundheit
  • NÖ Pflege- und Betreuungszentren – separates Portal
  • Zahlreiche Themenportale für Tourismus, Wirtschaft, Kultur

Geschätzte Websites: ~50

Quantitative Bestandsaufnahme der Bundesländer  

Die folgende Tabelle dokumentiert die historische Schätzung vom Dezember 2025. Sie beschreibt damals manuell angenommene Kern-Websites und Subsites der Landesverwaltungen; die aktuelle regionale Auswertung des normalisierten Verzeichnisses folgt weiter unten.

bezirkesubsites
bar chart-25,2512,519,827NiederösterreichOberösterreichSteiermarkKärntenTirolBurgenlandSalzburgWienVorarlbergbezirke, Niederösterreich: 24subsites, Niederösterreich: 25bezirke, Oberösterreich: 18subsites, Oberösterreich: 20bezirke, Steiermark: 13subsites, Steiermark: 20bezirke, Kärnten: 10subsites, Kärnten: 15bezirke, Tirol: 9subsites, Tirol: 15bezirke, Burgenland: 9subsites, Burgenland: 10bezirke, Salzburg: 6subsites, Salzburg: 15bezirke, Wien: 1subsites, Wien: 20bezirke, Vorarlberg: 4subsites, Vorarlberg: 10
namebezirkesubsites
Niederösterreich2425
Oberösterreich1820
Steiermark1320
Kärnten1015
Tirol915
Burgenland910
Salzburg615
Wien120
Vorarlberg410
BundeslandKern-WebsiteBezirks-HMsWeitere SubsitesGesamt
Burgenland191020
Kärnten1101526
Niederösterreich1242550
Oberösterreich1182039
Salzburg161522
Steiermark1132034
Tirol191525
Vorarlberg141015
Wien112022

Historische Schätzung für die Landesebene: 253 modellierte Websites (94 Bezirkshauptmannschaften + 9 Kernportale + 150 angenommene Subsites; Stand Dezember 2025)


Gemeindeebene: Die größte Unbekannte  

2.092 Gemeinden – und kein Verzeichnis  

Die Grundlage ist präzise: Laut Statistik Austria existierten zum 1. Januar 2025 exakt 2.092 Gemeinden in Österreich. Doch hier beginnt das Problem.

Die strukturelle Schwachstelle

Es existiert kein zentrales, offizielles, maschinenlesbares Verzeichnis aller Gemeinde-Websites. Offizielle Quellen belegen zwar Gemeinden und zahlreiche Webadressen, liefern aber keine nachweislich lückenlose Gesamtliste aller kommunalen Webpräsenzen. Auch Gemeindebund, Landesverbände und oesterreich.gv.at schließen diese Lücke nicht vollständig.

Das ist keine technische Randnotiz – das ist eine strukturelle Schwäche der nationalen E-Government-Infrastruktur.

Die Existenz inoffizieller, kommerzieller Verzeichnisse (wie gemeinden.at) und Community-gepflegter Listen (wie auf Wikipedia) ist ein deutliches Symptom: Ein Markt ist entstanden, weil der Staat keine offizielle Lösung bereitstellt.

Fraktale Komplexität: Das Subsite-Problem multipliziert sich  

Ähnlich wie Ministerien und Länder betreiben auch Gemeinden Subsites – und das mehr als zweitausendfach:

Typische Subsites größerer Gemeinden:

  • Stadtwerke – Energie, Wasser, Abfall
  • Öffentlicher Verkehr – Stadtbus, Regionalbahn
  • Wohnbaugesellschaften – kommunaler Wohnbau
  • Wirtschaftsbetriebe – Gewerbeparks, Messegelände

Jeder dieser Betriebe kann eine eigene Webpräsenz betreiben.

Diese Faktoren für 2.092 Gemeinden vollständig und laufend aktuell zu erfassen, ist ohne verbindliche zentrale Meldequelle nicht belastbar möglich. Das normalisierte Verzeichnis führt vorhandene offizielle Nachweise zusammen, lässt unbelegte Webadressen aber bewusst offen. Die Komplexität ist fraktal: Dieselben Herausforderungen der Bundes- und Landesebene wiederholen sich tausendfach.


Durchsuchbares Verzeichnis: Die Datenbasis  

Als praktisches Ergebnis dieser Analyse stellen wir ein durchsuchbares, quellengebundenes Verzeichnis öffentlicher und halböffentlicher Webpräsenzen bereit. Eine Zeile entspricht einer veröffentlichten Zuordnung zwischen Einrichtung und Webadresse. Mehrere Einrichtungen können dieselbe Webadresse nutzen; deshalb sind 27.947 Zuordnungen nicht mit 27.947 unterschiedlichen Websites gleichzusetzen.

KategorieAnzahlAnteil
Gemeinden & Orte22.38480,1%
Bildung & Wissenschaft4.72516,9%
Landesverwaltung2781,0%
Gesundheit & Soziales1820,7%
Wirtschaft & öffentliche Betriebe1170,4%
Sonstige Kategorien2610,9%
Gesamt27.947100%

„Sonstige Kategorien“ bündelt Kammern (92), Justiz (51), Agenturen (47), Bundesverwaltung (38), Sicherheit (30) und Kultur (3). Die Tabelle beschreibt Zuordnungen, nicht eindeutige Domains.

pro Seite
API-Zugang für Entwickler:innen

Für programmatischen Zugriff auf das Verzeichnis steht eine REST API zur Verfügung. Die vollständige Suchoberfläche mit erweiterten Filtermöglichkeiten finden Sie im Tools-Bereich.

Regionale Verteilung  

Von den 27.947 veröffentlichten Zuordnungen sind 27.872 einem Bundesland zugeordnet (99,7%). Bei 75 Zuordnungen bleibt das Bundesland offen:

anzahl
bar chart-688,71 807,94 304,56 801,19 297,7StmkKärntenTirolSalzburgBgldWienVlbganzahl, OÖ: 8 609anzahl, NÖ: 6 028anzahl, Stmk: 3 769anzahl, Kärnten: 3 702anzahl, Tirol: 1 816anzahl, Salzburg: 1 389anzahl, Bgld: 953anzahl, Wien: 941anzahl, Vlbg: 665
bundeslandanzahl
8609
6028
Stmk3769
Kärnten3702
Tirol1816
Salzburg1389
Bgld953
Wien941
Vlbg665

Strategische Empfehlungen: Was jetzt passieren muss  

Nationales Domain-Register

Kurzfristig umsetzbar: Zentrales, maschinenlesbares Register aller öffentlichen Domains – verwaltet durch BKA oder A-SIT. Grundlage für jede weitere Digitalisierungsinitiative.

Standardisierte Typologie

Mittelfristig: Offizielle Klassifizierung öffentlicher Websites (Typ A/B/C-Modell). Ermöglicht systematische Analysen, Compliance-Audits und Ressourcenplanung.

Automatisierte Audits

Kontinuierlich: Web-Crawling für Barrierefreiheit, Sicherheit und Aktualität. Transparenz-Dashboard für Bürger:innen. Basis für evidenzbasierte Politik.

Internationales Vorbild: Großbritannien

Großbritannien hat mit gov.uk das konsequenteste Beispiel eines zentralisierten Regierungsportals geschaffen. In nur 15 Monaten (2013–2014) wurden über 300 Behörden-Websites auf eine einzige Plattform migriert und 685 Domains geschlossen. Das Ergebnis: bessere Auffindbarkeit, konsistente User Experience, effizientere Verwaltung. Die USA hingegen haben mit usa.gov lediglich ein Wegweiser-Portal – die über 20.000 einzelnen .gov-Domains bleiben dezentral organisiert.


Die Schattenseiten der Zentralisierung  

Die Idee eines einzigen, zentralen Webportals für alle öffentlichen Stellen klingt verlockend – hat aber erhebliche Nebenwirkungen:

Föderalismus & Autonomie

Österreich ist ein Bundesstaat. Die Länder und Gemeinden haben verfassungsrechtlich garantierte Kompetenzen – auch in der Außendarstellung. Ein zentrales Portal könnte als Eingriff in die Landeshoheit interpretiert werden.

Regionale IT-Wirtschaft

Hunderte österreichische IT-Unternehmen, Agenturen und Freelancer:innen leben von der Entwicklung öffentlicher Websites. Ein zentrales System würde diesen Markt massiv konsolidieren – zugunsten weniger Großanbieter.

Vendor Lock-in

Ein einziges System bedeutet Abhängigkeit von einem Anbieter. Wartungsverträge, Lizenzkosten und Sicherheitsupdates würden zentral verhandelt – mit entsprechender Marktmacht des Anbieters.

Single Point of Failure

Ein zentrales Portal ist ein zentrales Angriffsziel. Ein erfolgreicher Cyberangriff würde nicht eine Gemeinde betreffen – sondern potenziell alle öffentlichen Dienste gleichzeitig.

Der pragmatische Mittelweg

Die Lösung liegt nicht in der Wahl zwischen „vollständiger Zentralisierung" und „totalem Wildwuchs". Ein föderiertes Modell – mit gemeinsamen Standards, zentraler Registrierung und dezentraler Umsetzung – könnte die Vorteile beider Ansätze vereinen.

Der erste Schritt dafür: Ein vollständiges Verzeichnis dessen, was existiert.

Konkrete Umsetzungsstrategien und technische Architekturvorschläge finden Sie in unserer Analyse Österreich + TYPO3: Smarte Government-Websites nach deutschem Vorbild.


Fazit: Erst zählen, dann planen  

Die digitale Architektur des österreichischen öffentlichen Sektors ist komplex, dezentralisiert und dynamisch. Das aktualisierte Verzeichnis macht diese Landschaft deutlich besser messbar: 45.278 offizielle Quelldatensätze führen zu 30.301 akzeptierten Quellbeziehungen und 27.947 veröffentlichten Zuordnungen für 27.934 Einrichtungen und Orte. Dahinter stehen 7.906 unterschiedliche Webadressen auf 6.716 Domains.

Diese Präzision hat eine klare Grenze: Das Verzeichnis kann nur abbilden, was offizielle Quellen belegen. Für 8.697 der 36.631 als relevant eingestuften Einrichtungen und Orte liefern die ausgewerteten Quellen keine akzeptierte Webadresse. Deshalb ist die Datenbank eine belastbare quellengebundene Bestandsaufnahme, aber kein seriöser Beweis, dass bereits jede öffentliche und halböffentliche Website Österreichs enthalten ist.

„Man kann nicht managen, was man nicht messen kann."

— Peter Drucker

Diese Analyse zeigt: Bevor über ein „Bundes-CMS" oder zentrale Plattformen diskutiert wird, braucht Österreich ein verbindliches, fortlaufend gepflegtes Register. Der erste Schritt jeder digitalen Transformation ist Transparenz – nicht Technologie.

Dezentralisierung als Prinzip

Die digitale Landschaft ist ein direktes Abbild der föderalen Verwaltungskultur. Jede Ebene agiert mit hohem Grad an Autonomie – das Ergebnis ist fragmentiert, aber vielfältig.

Die Subsite als strategisches Werkzeug

Subsites sind kein technisches Beiwerk, sondern werden strategisch eingesetzt: Sie wahren organisatorische Eigenständigkeit und ermöglichen zielgruppenspezifische Kommunikation.

Die kritische Verzeichnislücke

Neun offizielle Quellsysteme schaffen eine breite Grundlage, bilden aber kein verbindliches Gesamtregister aller öffentlichen Webpräsenzen. Fehlende Website-Angaben bleiben deshalb eine sichtbare Datenlücke.

Der Weg nach vorne beginnt mit einer Frage, die noch nicht abschließend beantwortet werden kann: Wie viele Websites betreibt der österreichische öffentliche und halböffentliche Sektor? Das Verzeichnis liefert dafür eine nachvollziehbare, reproduzierbare Datengrundlage – und zeigt zugleich, wo offizielle Quellen noch fehlen.


Methodische Anmerkungen  


Weiterführende Analyse

Wie Österreich von Deutschlands 108-Millionen-Euro-Investment in TYPO3 profitieren und einen intelligenteren Weg einschlagen kann, analysieren wir in: Österreich + TYPO3: Smarte Government-Websites nach deutschem Vorbild

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